Wie ein OTC-Hersteller aus Österreich Arzneimittel trotz strenger Regeln mit Google Ads bewirbt.
Kurz vor dem Marktstart eines rezeptfreien Präparats war bei einem Hersteller aus Österreich offen, ob Google eine Zertifizierung verlangt und welche Aussagen Anzeigen machen dürfen. Wir haben beides vor der ersten Einreichung mit Regulatory geklärt und als Erfolg gezählt, wie viele Besucher zur Apothekensuche weiterklicken, weil der Hersteller nicht selbst verkauft. Im sechsten Monat führten die Anzeigen zu 433 Klicks zur Apothekensuche und zu Versandapotheken, im ersten zu 245.
Pharmahersteller, rezeptfreie Arzneimittel (OTC), 50 bis 250 Mitarbeiter, Österreich, 4 Minuten Lesezeit, Datenstand September 2026
Klicks von der Produktseite zur Apothekensuche und zu Versandapotheken im sechsten Monat, im Launch-Monat 245
Stand September 2026, Quelle: Google-Ads-Konto, Conversions aus Ereignissen der Produktseite (Google Analytics 4)
Diese Fragen beantwortet dieser Case.
Dieser Case passt zu Ihnen, wenn das auf Sie zutrifft.
Branche
Hersteller und Vertriebsfirmen rezeptfreier Arzneimittel mit Vertrieb über Apotheken
Unternehmensgröße
20 bis 250 Mitarbeiter
Ausgangslage
Ein rezeptfreies Präparat kommt neu auf den Markt, und Google Ads soll zum Start rechtskonform laufen
So war die Ausgangslage.
Das Präparat war zugelassen, die Einführung in den Apotheken terminiert, und das Marketing wollte zum Start Suchanzeigen schalten. Offen war, welche Aussagen in Anzeigen erlaubt sind, ob Google für das Konto eine Zertifizierung verlangt und wie Pflichthinweise in kurze Anzeigenformate passen. Jeder Text musste außerdem von der Regulatory-Abteilung freigegeben werden, bevor er online geht. Offen war auch, wie man Erfolg misst, wenn der Verkauf in der Apotheke stattfindet und nicht auf der eigenen Website.
Das haben wir gemacht.
Bevor die erste Anzeige geschrieben war, stand fest, wer freigibt und was freigegeben werden muss. Dass die Kampagne dadurch später fertig war als technisch möglich, haben wir in Kauf genommen, weil jede abgelehnte Anzeige nach dem Launch mehr Zeit gekostet hätte.
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Richtlinien und Zertifizierung klären
Wir haben die Google-Richtlinie für Gesundheit und Arzneimittel für Produkt, Land und Werbetreibenden geprüft: Weil der Hersteller nur bewirbt und nicht selbst verkauft, war keine Zertifizierung nötig. Bei der Einreichung lehnte Google trotzdem zwei Anzeigen ab, beide waren nach einer Anpassung der Zielseite rechtzeitig zum Launch freigegeben.
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Anzeigen an die Zulassung binden
Alle Aussagen stammen aus dem zugelassenen Anwendungsgebiet, ohne Heilversprechen und ohne Vergleiche, und sind vor dem Start mit Medical und Regulatory abgestimmt. Wie der Pflichthinweis zwischen Anzeige und Zielseite umgesetzt wird, hat die Rechtsabteilung entschieden, nicht wir.
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Automatik bei Texten abschalten
Automatisch erstellte Anzeigentexte sind deaktiviert, und AI Max haben wir nicht eingeschaltet, weil jeder Text freigegeben sein muss. Seit Google im September 2026, nach dem Vergleichszeitraum, Kampagnen automatisch umgestellt hat, prüfen wir monatlich, ob diese Einstellungen erhalten bleiben.
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Suchbegriffe und Messung festlegen
Suchen zu Anwendungen außerhalb der Zulassung, etwa bei Kindern oder in der Schwangerschaft, sind von Beginn an ausgeschlossen. Gemessen werden Klicks von der Produktseite zur Apothekensuche der Apothekerkammer und zu Versandapotheken, weil der Verkauf nicht auf der eigenen Seite stattfindet.
Das ist dabei herausgekommen.
Klicks von der Produktseite zur Apothekensuche und zu Versandapotheken im sechsten Monat, im Launch-Monat 245
Stand September 2026, Quelle: Google-Ads-Konto, Conversion-Aktionen Klick Apothekensuche und Klick Versandapotheke, aus Google Analytics 4 importiert
Einblendungen der Produktseite in der Google-Suche bei Suchen nach dem Produktnamen, im sechsten Monat, im Launch-Monat 1.137
Stand September 2026, Quelle: Google Search Console, Impressionen der Produktseite für Suchanfragen mit dem Produktnamen; zählt nur Suchen, bei denen die Seite erschien, kein Suchvolumen
Bei gleichem Budget von 4.800 Euro im Monat führte die Produktseite im August zu 433 Klicks zu einer Apotheke, im Launch-Monat März zu 245. Die Produktseite erschien im selben Zeitraum bei Suchen nach dem Produktnamen 2.874 Mal im Monat, zu Beginn 1.137 Mal. Der Anstieg setzte ein, als der Produktname bekannter wurde; wer gezielt danach sucht, klickt vermutlich häufiger zur Apotheke weiter. Ein Teil davon ist die normale Anlaufzeit eines neuen Kontos, und zur Bekanntheit tragen Empfehlungen in den Apotheken bei. Diese lassen sich von der Kampagne nicht trennen. Wie viele Packungen die Kampagne verkauft hat, wissen wir nicht, weil sich der Abverkauf in der Apotheke keinem Klick zuordnen lässt.
Das lässt sich mitnehmen.
Wer Zertifizierungsfrage und Freigabeweg vor der ersten Einreichung klärt, verliert zum Launch keine Wochen mit abgelehnten Anzeigen. Das Budget spielt in dieser Phase die kleinere Rolle.
Was das für Ihre Branche heißt.
Bei rezeptfreien Arzneimitteln suchen Menschen selten nach dem Produkt, sondern nach ihren Beschwerden: „was hilft gegen halsschmerzen“, „sodbrennen was tun“ oder „mittel gegen reiseübelkeit rezeptfrei“. Suchen nach dem Produktnamen entstehen erst, wenn Apotheke, Arzt oder Werbung ihn bekannt gemacht haben. Anzeigen auf Beschwerdesuchen müssen sachlich bleiben und dürfen nichts versprechen, was die Zulassung nicht deckt.
Vor der Erkältungssaison im Herbst brauchen Erkältungsmittel fertige Anzeigentexte, Allergiemittel vor dem Frühjahr, Reisemittel vor dem Sommer. Weil Freigaben durch Medical und Regulatory Zeit brauchen, sollten die Texte Wochen vor der jeweiligen Saison fertig sein.
In Pharma-Konten sehen wir oft eingeschaltete Automatik, die Anzeigentexte ohne Freigabe verändert oder neu erzeugt. Ebenso häufig stehen in Anzeigen Aussagen außerhalb des zugelassenen Anwendungsgebiets. Und oft fehlt die Zielseite bei der Prüfung, obwohl auch sie als Werbung gilt und die Pflichtangaben braucht.
Darf man in Österreich mit Google Ads Arzneimittel bewerben?
Ja, rezeptfreie Arzneimittel dürfen in Österreich unter Auflagen mit Google Ads beworben werden, Publikumswerbung für rezeptpflichtige ist dagegen verboten. Anzeigen müssen im Rahmen der Zulassung bleiben, dürfen keine Heilversprechen enthalten und brauchen die gesetzlichen Pflichtangaben. Zusätzlich gilt die Google-Richtlinie für Gesundheit und Arzneimittel, deshalb stimmen Hersteller ihre Texte vor dem Start mit Regulatory oder Rechtsabteilung ab.
Welche Google-Zertifizierung braucht ein Hersteller für Arzneimittelwerbung?
Nein, ein Hersteller, der rezeptfreie Arzneimittel nur bewirbt und nicht selbst verkauft, braucht in Österreich nach der Google-Richtlinie in der Regel keine Zertifizierung. Pflicht ist sie für Online-Apotheken, die zusätzlich beim Bundesamt für Sicherheit im Gesundheitswesen für den Versandhandel registriert sein müssen. Weil Google die Richtlinie ändert, sollte der Stand Wochen vor jedem Launch erneut geprüft werden.
Welche Pflichthinweise gehören in Anzeigen für rezeptfreie Arzneimittel?
Anzeigen für rezeptfreie Arzneimittel brauchen in Österreich unter anderem den Namen des Arzneimittels und den Hinweis „Über Wirkung und mögliche unerwünschte Wirkungen informieren Gebrauchsinformation, Arzt oder Apotheker.“ Weil Textanzeigen wenig Platz haben, muss geklärt werden, wie die Pflichtangaben zwischen Anzeige und Zielseite aufgeteilt werden. Diese Entscheidung trifft die Regulatory- oder Rechtsabteilung des Herstellers, nicht die Agentur.

